In Muğla, Mersin, Malatya kam es wieder zu Angriffen auf DTP-Büros bzw.
Kundgebungen. In Istanbul zog ein bewaffneter faschistischer Mob durch
die Straßen und jagte KurdInnen.Angriffe auf kurdische Saisonarbeiter in den türkischen Städten und Erscheinungsverbt für die Tageszeitung Atilim!
Die Welle von rassistisch und nationalistisch motivierten Angriffen auf KurdInnen bzw. die am Freitag vom Verfassungsgericht in Ankara verbotenen Partei DTP reißt nicht ab.
In Muğla, Mersin, Malatya kam es wieder zu Angriffen auf DTP-Büros bzw. Kundgebungen. In Istanbul zog ein bewaffneter faschistischer Mob durch die Straßen und jagte KurdInnen.
MUĞLA
Das Kreisbüro der DTP in Muğla wurde von Unbekannten mit Steinen angegriffen
und die Scheiben zerstört. Dieser Angriff ist eine Wiederholung von ähnlichen
Aktionen gegen die DTP in den letzten Tagen.
MERSIN
Auch in Mersin wurden bei einem DTP-Büro die Scheiben zerstört.
MALATYA
Das DTP-Büro in Malatya wird von türkischen Nationalisten und Polizisten
blockiert. Vorausgegangen war eine Kundgebung von etwa 300 Menschen gegen
das DTP-Verbot. Zur gleichen Zeit versammelten sich dort Nationalisten
und riefen rassistische, antikurdische Parolen. Trotz der Anwesenheit
der Polizei griffen sie die DTPler an. Um zu deeskalieren, versuchten
sich die KundgebungsteilnehmerInnen ins DTP-Büro zurückzuziehen. Dabei
kam es zu einem weiteren Angriff. Das DTP-Büro wird im Moment von etwa
1000 Nationalisten belagert. Die Polizei zeigt keine Bemühungen, die Menschenmenge
aufzulösen.
ISTANBUL
Nach einer Protestdemonstration gegen die Schließung, der DTP wurde, ein
Jugendlicher von einem Nationalisten angeschossen. Ohne dass ihm die Kugel,
die sich in seinem Bein befindet, entfernt wurde, wurde er festgenommen.
Er befindet sich auf der Terrorabteilung der Polizeidirektion in Istanbul.
Nachdem die Protestaktion der kurdischen Jugendlichen, bei der auch ein
MHP-Büro mit Steinen angegriffen wurde von der Polizei aufgelöst worden
war, zogen Anhänger der faschistischen MHP mit Knüppeln, Schusswaffen,
Messern und Steinen in den Händen und antikurdischen Parolen durch die
Straßen. Aus dieser faschistischen Demonstration heraus wurde der kurdische
Jugendliche angeschossen. Sie belagern das DTP-Büro, die Polizei griff
nicht ein. Im Gegenteil, sie griff die KurdInnen mit Tränengas an, die
sich gegen den Angriff zur Wehr setzten.
Quellen: DIHA, ANF, YH, YG, 13.12.2009, ISKU
Pogrome gegen KurdInnen in vielen Städten der Türkei
ANTALYA – In Çanakkale, İzmir, Erzincan und einigen weiteren Regionen der Türkei kam es zu Pogromen gegen KurdInnen. Im Dorf Kozağacı des Landkreises Serik in Antalya wurden kurdische ArbeiterInnen angegriffen und ihre Arbeitsplätze und Wohnstätten mit Steinen beworfen. Die Medien des Dorfes berichteten von etwa 200 Menschen, die sich vor der Unterkunft eines kurdischen Arbeiters versammelt hatten, welcher in einem Landwirtschaftsunternehmen arbeitet. Jandarma Einheiten aus Serik, Manavgat und Aksu wurden in das Dorf geschickt und riegelten die Ein- und Ausgänge ab. JournalistInnen hatten somit keinen Zugang zu dem Dorf, daher ist auch keine Information über die kurdischen ArbeiterInnen durchgedrungen.
Quelle: ANF, 12.12.2009, ISKUEinen Monat Veröffentlichungsverbot für die Wochenzeitung Atılım
İSTANBUL – Das 14. Strafgericht hat entschieden, dass die Zeitung Atılım ein Monat nicht veröffentlichen darf. Der Grund sei die Reportage über die DTP-Vorsitzende Emine Ayna in der 276. Ausgabe der Zeitung.
Das 14. Istanbuler Strafgericht
ordnete an, dass die letzte Ausgabe der sozialistischen Wochenzeitung
Atılım eingesammelt werden soll, und verhängte ein einmonatiges Veröffentlichungsverbot.
Als Grund wurde unter anderem die Beschäftigung mit der kurdischen Frage
genannt: In der letzten Ausgabe wurde auf der 12. Seite eine Reportage
über Emine Ayna veröffentlicht und auf der 9. Seite ein Artikel gegen
Repression gedruckt.
Die Reportage über Ayna mit der Überschrift „Sie sollen die Ungläubigen
nicht fallen lassen, oder sie werden es bereuen“ und der andere Artikel
beginnend mit den Worten „Sie haben die demokratische Öffnung erschossen“
sei „Propaganda für eine terroristische Vereinigung“.
Gegen die Zeitung Atılım wurde 2009 nun schon zum 5. Mal ein Veröffentlichungsverbot
ausgesprochen.